Demokratisierung des Buchmarkts?

Noch nie war es so einfach, Texte in gedruckter Form zu veröffentlichen. Ganz, ganz früher gab es Geschriebenes und Gedrucktes. Das Gedruckte hat gesiegt, das Geschriebene ist jetzt Kunst. Dann gab es zusätzlich den Matrizendruck als erste Form des Kopierens. Ich kann mich gut an diese Zeit erinnern, als Rundschreiben mit dieser Schweinerei aus Spiritus und Schwärze zu Papier gebracht wurden. Viel mehr als 30 Abzüge gab eine Matrize nicht her. Danach kam die Fotokopie groß raus und Semestermitschriften wurde gerne als „Buch verlegt“ – ähh, ich meine 100 mal kopiert, sortiert, mit Kleber gebunden, beschnitten und verkauft.

Dank Textverarbeitung und Internet kann heute jeder ein Buch „verlegen“. Self Publishing heißt das Zauberwert und die zugehörigen Schreiberlinge nennt man Indie-Autoren. Ich bin auch ein Indie-Autor. Demnach teilt sich die Buchwelt in zwei Gruppen: „echte“ Bücher mit „richtigem“ Verlag und „Books on demand“, also Bücher, die auf Bestellung automatisch gedruckt, geklebt und verpackt werden. Sind Indie-Bücher schlechtere Bücher? Urteilen Sie selbst!
Auf jeden Fall sind es die teureren Bücher. Rechnet man den Aufwand fürs Schreiben, Cover-Gestalten, Lektorat und Korrektorat auf die erreichte Stückzahl um  – 100 verkaufte Exemplare sind viel – dann kommen schnell Kosten von 20 Euro oder mehr pro Buch heraus, die der Indie-Autor zu zahlen hat. Ohne Werbung, versteht sich.

 

Warum ist Cover-Design so schwierig?

Das Buchformat gibt das Coverformat vor.  Zum Glück! Sonst hätte man ja noch mehr Freiheitsgrade. Doch was tun mit 12 x 19 cm? Anfangs wollte ich unbedingt ein Foto unterbringen, welches ich vom Dach des MAC in Sao Paulo geschossen hatte. Dazu einen markanten Schriftzug in Weiß und Rot. Doch das Cover kam bei keiner Testperson gut an. Der Kontrast war zu schwach und nichts wies auf einen spannenden Roman hin. Das Cover ging in jeder Auslage unter.  Dabei sind die Kriterien klar: Das Cover muss zum Genre passen, sich dennoch von den anderen Büchern in der Auslage abheben und möglichst sofort die Blicke auf sich ziehen.

Nina kam mit einem stark reduzierten Entwurf, angelehnt an das Terminalfenster des Macintosh. Menlo auf  Schwarz. Und: Ohne Untertitel auf der Deckseite. Die markante Spiegelung der Leuchtdioden entstand im Fotostudio, nun ja, der Keller wurde kurzerhand dazu umgebaut. Makroaufnahme mit 50 mm Objektiv.

Kurzum: Beim nächsten Roman fange ich mit dem Cover früher an.

Kapitel 1

»Herzlich willkommen an Bord, Herr Hannes Macke. Sie haben Sitzplatz 5D, gleich hier vorne rechts.«

So fängt mein Roman an. Jetzt kennen Sie schon mal den Namen des Protagonisten und den Handlungsort. Wir befinden uns an Bord einer Boeing 777 der KLM. Sie steht am Flughafen in Amsterdam.

p.s.: Für dieses Bild danke ich: https://www.flickr.com/photos/sisaphus/5613472706 (Roland Turner: KLM Boeing 777 Amsterdam Schipol Airport 5th April 2011)